Die Orgelbauerfamilie Gerhard(t)


In den Jahren 1739 bis 1832 schufen die Gerhard(t)s vorwiegend im Ostthüringer Raum in drei Generationen Orgeln. Zur damaligen Zeit erstreckte sich dieses Gebiet auf das Herzogtum Sachsen - Altenburg und später auf das Großherzogtum Sachsen - Weimar - Eisenach. Das Geburtsjahr des Firmengründers Justinus Ehrenfried Gerhard(t) kann urkundlich nicht belegt werden. Laut Sterberegister der Gemeinde Lindig aus dem Jahr 1786 wurde das Jahr 1710 als Geburtsjahr errechnet.

Auszug aus dem Originalsterberegister von 1786: "Justinus Ehrenfried Gerhard(t), berühmter Orgelbauer wie auch Nachbar und Innwohner zu Lindig ist den 16. Januar gestorben, und den 18. desselben mit einer Leichenpredigt über den von ihm selbst erwählten Text Psalm 73 Vers 28 beerdigt worden, alt 75 Jahre."

Die Orthografie des Familiennamens ist mit "d" oder "dt" sowohl in der persönlichen Schreibweise als auch auf amtlichen Dokumenten häufig uneinheitlich. Woher J. E. Gerhard(t) kam und wer seine Lehrmeister waren, konnte bis heute nicht geklärt werden. 1742 errichtete er die Lindiger Orgel.

Am 16. Mai 1741 vermählte sich Justinus Ehrenfried "der Orgelmacher mit der Jungfrau Justina Maria Thiemin", wie es im Traubuch der Gemeinde Lindig vom Jahr 1741 zu lesen ist. Justina Marie Thieme war eine gebürtige Lindigerin. Es wird angenommen, dass sich Wohnhaus und Werkstatt auf dem Grundstück des heutigen Gehöftes der Familie Grieser befanden.

Der zweite Sohn aus dieser Ehe, Christian August Gerhard(t), geboren am 1. September 1745 in Lindig, lernt in der Werkstatt des Vaters das Orgelbauhandwerk. An den in der evangelischen Stadtkirche Bürgel und die in der evangelischen Kirche zur Rüdersdorf 1780/81 gebauten Orgeln belegen Inschriften bereits die Mitarbeit von Sohn Christian August: "Von den beiden Gerhard(t)en zu Lindig."

Am 16. Januar 1786 stirbt der Orgelbauer Justinus Ehrenfried Gerhard(t). Sein Sohn Christian August Gerhard(t) übernimmt die Werkstatt. Er vermählt sich am 3. November 1777 mit Maria Susanna Süße aus Lindig. Aus dieser Ehe gehen 14 Kinder hervor. Der als viertes Kind geborene Johann Christian Adam Gerhard(t) lernt im Betrieb des Vaters das Orgelbauhandwerk und verlegt später seine Werkstatt nach Dorndorf an der Saale.

Der als achtes Kind am 21. April 1786 geborene Johann Ernst Gottfried Gerhard(t) eignet sich ebenfalls im väterlichen Betrieb Kenntnisse über den Orgelbau an und macht sich später in Merseburg selbständig.

Das siebente Kind, die am 29. Oktober 1784 geborene Regina Maria, heiratet am 3. November 1807 in Lindig den Sohn des Orgelbaumeisters Christian Friedrich Poppe zu Roda (jetzt Stadtroda), Ludwig Wilhelm Caspar Poppe. Und das zwölfte Kind der Familie, Johanna Rosina Elisabetha, geboren am 5. August, heiratet am 17. Januar 1820 in Lindig den Tischler und Orgelbauer Meister Christian Heinrich Körner aus Roda. Vermutlich war er bei der Rodaer Orgelbaufirma Poppe beschäftigt. Dies zeugt davon, dass schon damals familiäre Bindungen aus geschäftlichen Interessen heraus unter gleichen Gewerken geschlossen wurde.

Nun aber zurück zu den beiden Nachfolgern des Orgelbauers Christian August Gerhard(t), welcher am 15. Dezember 1817 in Lindig stirbt. Zunächst muss angenommen werden, dass beide Söhne, Johann Christian Adam und auch Johann Ernst Gottfried den Gerhard(t)schen Orgelbau fortsetzen.

Johann Christian Adam Gerhard(t) baute nachweislich seit 1810 selbständig Orgeln. Der Orgelbauer Hugo Schramm aus Bürgel fand im Jahre 1927 bei der Reparatur der Orgel in Kötschau bei Weimar folgende Inschrift: "F. C. A. Gerhard(t), Orgelbaumeister Dorndorf 1826."

Wie aus einem Eintrag im Kirchenbuch Dorndorf hervorgeht, heiratete Christian Adam Gerhard(t), Orgelbauer und Instrumentenmacher in Lindig, in der Kirche zur Tautenburg 1814 Christiane Juliane Rost, Tochter des Kantors Johann Christoph Rost in Dorndorf.

Mit dem Tode von Johann Christian Adam Gerhard(t) und Johann Ernst Gottfried Gerhard(t) starb das Ostthüringer Familienunternehmen der Orgelbauer Gerhard(t) aus. Noch heute künden die solide hergestellten Instrumente mit den schönen Barockprospekten, der guten Registerzusammenstellung und dem außergewöhnlichem Klang von der großen Kunst der Orgelbauerfamilie Gerhard(t).

(nach: Die Chronik der Kirche zu Lindig, zusammengestellt und geschrieben von Martina Reich und Annett Hering, Juni 2006)

 

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21.10.2017
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