Die Adolph Poppe-Orgel zu Kleineutersdorf

Die Orgelbaufamilie Poppe kann auf eine 175-jährige Berufstradition zurückschauen. Der Grundstein einer Orgelbaufirma wurde meistens in der holzverarbeitenden Branche eines Tischlers gelegt. Oft war es nur ein kleiner Schritt, wenn die nötige Musikalität und Neigung vorhanden war. So war es auch bei dem Rodaer (heute Stadtroda) Tischlermeister Christian Poppe, der 1692 geboren ist.

In Thüringen sind viele Orgeln der sehr fleißigen Orgelbaufamilie zu finden, so z. B. in Schmölln bei Hummelshain, Großkröbitz, Unterbodnitz und die umgebaute Gerhardt-Orgel in Oelknitz. Louis Poppe, ein Sohn in dritter Generation, war mit einer Tochter des Lindiger Orgelbauers Christian August Gerhardt verheiratet, daher der direkte Bezug in diese Gegend.

Daniel Adolph Poppe, ein Nachkomme aus zweiter Ehe des Firmengründers, trug 1833/34 die alte Orgel in Kleineutersdorf ab, um sie in Zwabitz umgebaut wieder aufzubauen. Kleineutersdorf bekam daraufhin für immerhin 800 Taler eine neue Orgel.

Bereits zu DDR-Zeiten wurde eine Restaurierung angestrebt, jedoch erst 1993 konnte dieses Ansinnen konkretisiert werden. Die Orgelbaufirma Schüssler aus Greiz wurde verpflichtet, die Orgel komplett instand zu setzen.

Der historische Wert der Orgel war unverkennbar, aber auch der Verfall war sehr vorangeschritten. Die Holzpfeifen waren stark vom Holzwurm befallen, viele Metallpfeifen beschädigt und unbrauchbar. Von Vorteil war allerdings, dass an der Kleineutersdorfer Orgel über die Jahrzehnte wenig "nachrepariert" wurde und noch viel Originalsubstanz erhalten war.

Viele Bauteile wurden nach historischem Vorbild nachgebaut, alte Materialien (z.B. Zinkpfeifen) wurden durch bessere (Zinn) ersetzt, das Pfeifenwerk komplett gereinigt. Tasten wurden ausgebessert und vertauschte Tasten wurden wieder an die richtigen Stellen gesetzt.

Wichtig war ebenfalls das Zurückführen der wegen der Tonhöhe umgehängten Traktur. So liegt die Tonhöhe heute bei 496 Hz - das entspricht einem ganzen Ton über Normal heute.

Man kann also sagen, dass die restaurierte Poppe-Orgel wieder sehr nah am Original ist. Jedoch ist dieses Thema ein ewig diskutiertes und oft umstrittenes. Der Ganzton höher ist z.B. ein echtes Problem für kammermusikalische Aufführungen und nicht zuletzt für den Gemeindegesang.

Nichts desto trotz ist die Kleineutersdorfer Poppe-Orgel ein wahres Kleinod im Thüringer Land, und viele namhafte Organisten pilgern gern in den Saale-Holzland-Kreis, um unbedingt an dieser tollen Orgel spielen zu dürfen, die endlich am 13. September 1998 feierlich eingeweiht wurde.

Oft war es ein harter, steiniger Weg, und nicht nur das alte politische System, sondern auch notwendige Reparaturen am Kirchendach ließen die Bauarbeiten oft nicht nur 2 Schritte zurückfallen. Jedoch großzügige Spenden und die hervorragende Zusammenarbeit mit Landeskirche und Denkmalamt hielten den Mut für das große Vorhaben aufrecht.

Sehr erfreulich und hoffnungsvoll für uns Organisten ist, dass die Liebe zum Detail, sprich der originalen Inneinrichtung von Kirchen, den Gemeinden nach wie vor am Herzen liegt, auch wenn Aufwand und Kosten horrend sind. Die Königin der Instrumente gehört ganz einfach in eine Kirche. Liebevolle Pflege- und Wartungsarbeiten, Gemeindefeiern, Gottesdienste und regelmäßige Konzertreihen erhalten den Blick auf das Wesentliche - das LOB GOTTES.

Allen Beteiligten einen herzlichen Dank und Mut zum Weitermachen. Kirchen werden immer ein Ort der Ruhe, inneren Einkehr und Erhebung der Herzen durch Musik sein. Viele Menschen suchen den Ort in ihrer Trauer und ihrer Freude. Damit das so bleibe, möge auch der Klang der Orgeln niemals verstummen.

Ina Köllner, Kantorin und Organistin



Die Disposition der heutigen Orgel:

Erbauer:                  Daniel Adolph Poppe
Baujahr:                  1831
Wiedereinweihung: 1998
Tonhöhe:                 a´= 496 Hz
Temperatur:            Werckmeister 3
Werke:                    2 Manuale (HW und OW) und Pedal
Trakturen:               mechanische Ton- und Registertraktur
Tonumfang:             Manuale C bis d´´´  Pedal C bis c´
Koppeln:                  OW/HW  HW/Pedal
 
  Hauptwerk (HW)   Oberwerk (OW)   Pedal
  Principal 8´   Lieblich Gedackt 8´   Subbass 16´
  Gemshorn 8´   Quintadena 8´   Violon 16´
  Hohlflöte 8´   Principal 4´   Posaune 16´
  Viola da Gamba 8´   Kleingedackt 4´   Principalbass 8´
  Bordun 8´   Octave 2´  
  Octave 4´   Mixtur 3fach  
  Rohrflöte 4´    
  Quinte 3´    
  Cornett 3fach (ab h)    
  Mixtur 3fach    










   

 

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Die historische Poppe-Orgel Poppe-Orgel (Ausschnitt) Poppe-Orgel (Ausschnitt)

 

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27.04.2017
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und warf’s in seinen Garten; und es wuchs und wurde ein Baum.
Jesaja 43,18-19 Lukas 13,19

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